Herbst-Titelbild. Alte Windwurffläche- heute mit Forstkulturen bepflanzt

Die Fledermaus


Die Fledermaus ist das Tier, welches von den Naturschützern am häufigsten genannt wird im Bezug auf Geocaching.


Nach ein paar allgemeinen und rechtlichen Anmerkungen zu der Fledermaus habe ich versucht einige wichtige Punkte über das Leben der Fledermaus zusammen zustellen. Am Ende der Seite gehe ich noch einmal auf den Winterschlaf der Fledermaus ein und hoffe, dass daraus ersichtlich ist, warum man es vermeiden sollte, in der Nähe von Winterquartieren der Fledermaus einen Cache zu verstecken.

Obstbaum
Baumhöhlen in Obstbäumen bieten ein Sommerquartier für Fledermäuse
In Deutschland gibt es etwa 25 Arten der Fledermaus. Alle Arten gelten als gefährdet oder im Bestand als bedroht und stehen in den Roten Listen. Die Gesetzgeber hat dies erkannt und im Bundesnaturschutzgesetz festgelegt, das die Störung in den Winterquartieren in der Zeit von 1. Oktober bis 31. März nicht erlaubt ist. Diese gesetzlich verbotenen Quartiere sind Höhlen, Erdkeller und Stollen.

Aber auch durch EU-Recht sind alle Fledermausarten durch die FFH (Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) streng geschützt.

Gerade die Naturschützer setzen sich für diese Tiere ein. Ein Ziel der NABU Münster ist es zum Beispiel alte Obstbäume/Obstgärten zu erhalten. Denn gerade in diesen älteren Bäumen gibt es kleine BaumhöhlenBaumhöhlen dienen aber nicht nur der Fledermaus als Ruhestätte. Viele Vögel, aber auch Mader und andere Tiere nutzen sie als Wohnquartier. die die Fledermaus als Ruhestätte (Sommerquartier) nutzen können. Zudem finden sie dort viele Insekten, die ebenfalls von den Obstbäumen angelockt werden.
Dieses ist aber nur eine von vielen Maßnahmen, welche die NABU ergreift, um den Bestand und die Lebensgrundlage der Fledermaus zu sichern. Daher kann man vielleicht auch verstehen, wenn Geocacher angegangen werden, wenn sie einen Cache in oder bei einem Winterquartier verstecken.


Das Leben der Fledermaus


Nun schauen wir hier einmal in die Lebensweise der Fledermaus.
Die Fledermäuse sind die einzigen flugfähigen Säugetiere. Das ist schon erstaunlich, weil sie sich körperlich wesentlich von anderen flugfähigen Tieren wie den Vogel unterscheidet. Die Flugfähigkeit der Fledermaus liegt an ihren Flughäuten. Diese Häute spannen sich zwischen ihren sehr langen Fingern. Aber auch die Beine und der Schwanz sind mit der Haut verbunden. Durch diese Häute entsteht eine große Fläche mit geringem Zusatzgewicht. Diese Haut bietet einen großen Luftwiderstand, der es der Fledermaus ermöglicht zu fliegen. In dieser Haut liegen kleine Adern und elastische Fasern. Wenn die Fledermaus nun ihre Flügel zusammenfaltet, wird die Haut stark gekräuselt und ermöglicht das Anlegen der Flügel.
Das Gebiss hat große Ähnlichkeit mit dem von typischen Insektenfressern (nadelartig) weist aber mit den langen Eckzähnen auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Gebiss von Raubtieren auf.

Die Fledermäuse sind fleißige Insektenjäger. Diese Insekten fangen sie überwiegend im Flug. Die Orientierung erfolgt durch Schallwellen und ähnelt dem System des Echolotes. Hierbei gibt die Fledermaus Töne von sich. Diese Schallwellen treffen auf das Hindernis (zum Beispiel ein Insekt) und werden zurückgeworfen. Dadurch ist es der Fledermaus möglich, Hindernisse und Beutetiere zu orten. Ferner sind sie in der Lage anhand der Schallwellen zu erkennen, wie groß das Hindernis ist und woraus es besteht. Ferner erkennen sie unterschiedliche Beutetiere.


Während eines Sommers fängt so zum Beispiel eine Wasserfledermaus bis zu 60.000 Insekten. Das entspricht etwa einer Menge von 2 kg.

Meistens begeben sie sich in der Nacht auf die Jagd. Am Tag verstecken sie sich an ruhigen und dunklen Orten. Diese Orte können alte Dachstühle, Kirchturmspitzen, Fensterläden, Baumhöhlen, Baumrinden oder auch Mauerspalten sein. Auch nutzen sie die speziellen Fledermauskästen, die von Naturschützern aufgehängt wurden.


Interessant ist noch, dass die Fledermaus meistens zwei Quartiere hat. Im Sommer bezieht sie meistens ihre Tagesquartiere und Wochenstuben. Im Winter ist das Verhalten recht unterschiedlich. Das Quartierverhalten unterscheidet sich ein wenig von Art zu Arten. Einige überwintern bei uns in Höhlen, Stollen und Erdkellern. Aber es gibt auch einige Arten, die bis über 1000 km in wärmere Gegenden fliegen, um dann dort ihr Winterquartier zu beziehen. Im Sommer sind die Männchen meistens Einzelgänger. Die Weibchen schließen sich im Sommer zu kleineren bis größeren Gruppen zusammen. Diese Gruppen werden Wochenstube genannt. In diesen Wochenstuben bekommen sie, je nach Art, in der Zeit von März bis August 1-2 Junge und ziehen sie dort auf. Oft unterstützen sich die Weibchen gegenseitig bei der Aufzucht der Jungtiere. Sollte es einmal über Tag kälter werden, rücken die Weibchen dichter zusammen und wärmen ihre Jungen.
Im Winter beziehen die Fledermäuse ihre Winterquartiere. Dabei schließen sie sich zu großen Gruppen zusammen.


Der Winterschlaf


Fledermäuse sind Winterschläfer. Damit sie den langen Winter überstehen, beginnen sie im Herbst sich Fettreserven anzufressen. Dabei fressen sie sich bis zu 1/4 ihres Körpergewichts an. Das Fett wird im Nacken oder im Bauchraum gespeichert.
Wenn es kühler wird, ziehen sie sich in ihre Winterquartiere zurück. Diese Quartiere haben meistens eine hohe Luftfeuchtigkeit, damit sie nicht austrocknen. Wenn sich die Umgebungsbedingungen im Winter verschlechtern sollten, kann es vorkommen, dass sie später noch einmal ihr Quartier wechseln.
In ihren Quartieren wickeln sie sich mit ihren Flügeln ein. Diese wirken wie eine Decke und sorgt dafür, dass sie nicht so schnell auskühlen. Das bedeutet wiederum, dass sie weniger Energie benötigen. Neben dieser Maßnahme senken sie fast alle Körperfunktionen auf ein absolutes Minimum herunter. Das heißt, sie senken ihre Körpertemperatur, ihren Stoffwechsel, Ihren Herzschlag und sogar ihre Atmung. Das Herz der Fledermaus schlägt im Sommer etwa 240-mal bis 450-mal. In der Winterruhe wird die Herzfrequenz bis auf 18 bis 80 Schläge gesenkt. Auch die Atmung wird auf ein Minimum gesenkt. Dabei kann es sein, dass zwischen zwei Atemzügen über eine Stunde liegt. Ferner hängen sie in ihren Winterquartieren dicht beisammen um sich gegenseitig zu wärme. Alle Maßnahmen zusammen bewirken eine Energieersparnis und Kraftersparnis.
Aber eigentlich ist ihr Winterschlaf gar kein richtiger Schlaf. Vielmehr ist es ein lethargischerDer Begriff lethargisch leitet sich vom Fremdwort Lethargie ab. Dieses steht in Beziehung zum griechischen Wort "lethargia". Lethargia wiederum gehört zur Wortverwandtschaft von "lethargos", welches übersetzt "schlummerähnlicher Zustand" bedeutet. Zustand. In diesem Zustand bekommen sie immer noch mit, was in ihrer Umgebung passiert. So kann es vorkommen, dass sie bei einer Störung einen Kaltstart machen. Dieser Kaltstart/Erwachen führt aber zu einem hohen Energiebedarf um die Körperfunktionen betriebsbereit machen.


Wenn Fledermäuse geweckt werden, benötigen sie für eine Stunde Flugzeit etwa so viel Energie, wie sie für eine Woche im Schlafzustand benötigen. Wenn sie nun öfter gestört werden, führt dieses zu einem erhöhten Energiebedarf. Die verlorene Energie kann aber aufgrund des fehlenden Futterangebotes nicht mehr decken werden. Dies wiederum kann dazu führen, dass sie vielleicht den Winter nicht mehr überstehen oder nicht die benötigte Energie aufbringen können, um aus dem Dämmerschlaf zu erwachen.
Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass die Tiere in ihren Winterquartieren nicht gestört werden und bekannte Quartiere möglichst in Ruhe gelassen werden.





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