Herbst-Titelbild. Alte Windwurffläche- heute mit Forstkulturen bepflanzt

Zeit zum Dialog


Seit dem Jahr 2000 erfährt das Geocaching einer immer größer werdenden Beliebtheit. War Geocaching früher noch das geheime Spiel, von dem nicht viele wussten, erfuhr es in Deutschland seit 2005 geradezu ein explosionsartiges Wachstum. Vor den Smartphone konnte man es noch ausschließlich mit GPS-Geräten betreiben. Und da die Kosten für ein GPS-Gerät doch recht hoch waren, wurde dieses Hobby von sehr wenigen betrieben. Durch den technischen Wandel und durch immer mehr Berichterstattungen in den Medien wird Geocaching immer bekannter und immer mehr Leute versuchen es einfach einmal. Fast jeder Geocacher weiß, dass man sich nur schwer abhalten kann, selber einmal ein Döschen verstecken zu wollen. Und darin liegt ein großes Problem.

Ich gehe einmal davon aus, dass über 90% der Caches nicht genehmigt sind. Und dies führt dann unweigerlich zu Konflikten zwischen den Geocachern und den anderen Interessensgruppen aus Jagd, Waldbesitzern und Naturschützern.

eine eigene GC-Statistik über Cache und Cacher EntwicklungGeocaching Zahlen
(Zum vergrößern anklicken)
Hierzu habe ich zwei kleine private Statistiken zusammengestellt. Beide Statistiken beziehen sich auf alleine "geocaching.com". Da die zweite Statistik sich auf eine eigene Hochrechnung bezieht, kann ich nicht garantieren, dass diese Daten den tatsächlichen Zahlen entsprechen. Sie ist ein Schätzwert. Ich möchte anmerken, dass die Statik auf der Auswertung von über 100 GC-Profilen beruht. Die Anzahl der Geocacher dürfte allerding wesentlich höher sein. Mögliche Fehlerquellen dieser Statistik sind, dass es auch Teams und natürlich Familien gibt, die Geocaching betreiben. Aber auch auf anderen Plattformen gibt es natürlich auch Caches. Auf opencaching.de sind derzeit etwa 27500 (01.09.12) Caches gelistet, wo natürlich entsprechende Geocacher hinter stehen. Hierzu sei noch angemerkt, dass einige Cacher und auch Caches auf beiden Plattformen zu finden sind. Das macht eine genauere Hochrechnung schwerer. Derzeit schätzt man, dass es über 60000 Geocacher in Deutschland gibt.

Eine gute Statistikseite über Groundspeak findet ihr auf "project-gc.com". Hier können Geocacher auch eine Statistik für ihr eigenes Profil erstellen lassen.


So wie die Cachesteigerung von 03/2010 bis heute aussieht, kann man schon erahnen, dass sich hier Probleme entwickeln können. Die meistens Probleme dürften auf der Unwissenheit der Geocacher beruht, die eigentlich nur mal Raus kommen wollen, aber dabei die ursprünglichen Ziele des Geocaching aus den Augen verloren haben, und nur noch just for fun losziehen. Aus diesem Grund, laufen inzwischen überall in Deutschland Eigentümer, Jäger und Naturschützer Sturm gegen das Geocaching. An vielen Orten werden inzwischen Verbote ausgesprochen oder man spricht von Gesetzesänderungen (z.B. Rheinland Pfalz, Bayern) um das Geocaching in den Griff zu bekommen.


In NRW will man es auf einem anderen Weg versucht. Hier versucht man durch einen Dialog die Lage zu Endspannen.


Was bedeutet Dialog?


Das Wort Dialog leitet sich von dem griechischen Wort dialogos ab. Das Wortteil Logos heißt so viel wie "das Wort" oder auch "Wortbedeutung". Der Wortteil dia bedeutet "durch". Ein Dialog kann von Einzelnen oder von Gruppen geführt werden. Die Voraussetzung, dass ein Dialog funktioniert, liegt im wesentlich an der Bereitschaft der einzelnen Personen.

Anders als bei einer Diskussion, wo man versucht zu gewinnen, zielt ein Dialog nicht auf einen Sieg ab, sondern auf eine beiderseitige Einigung. Dabei sollten beide Seiten einen Gewinn erzielen. In einem Dialog sollte es um kein gegeneinander sondern um ein miteinander gehen. Aber bereits hier kann es schwierig werden. Jede Person hat in der Regel seine eigene Meinung, Erfahrung und seinen eigenen Hintergrund. Also wird jeder Beteiligte früher oder später, bewusst oder unbewusst, versuchen seine eigene Meinung oder Auffassung durchzusetzen ... Aufgrund dieser verschiedenen Vorstellungen dürfte klar sein, dass es sicherlich nicht bei einem ersten Gespräch bleibt, um zu einer Einigung zu kommen. Zu einem Dialog ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen nötig. Man muss selber einlenken können, um eigene Forderungen stellen zu können. Nur auf diesem Weg erhält man am Ende eine Einigung, die dann jedem gerecht wird.


Der Dialog in NRW


Am 16. Juli 2011 in Dortmund das erste Symposium "Geocaching und Natur" statt. Hierzu lud der Landesjagdverband NRW ein. Das Motto dieser Veranstaltung war "Nicht übereinander, sondern miteinander reden!".

Allein, dass der Landesjagdverband zu so einer Veranstaltung einlud, sollte jedem Geocacher zeigen, dass unser Hobby schon lange nicht mehr geheim ist. Aber die Einladung zeigt auch, dass die betroffenen Parteien vergangenen Fehler vermeiden wollen, die sie bereits mit Kanufahren, Mountainbiker und den Kletterern hatten, weil sie sich dort zu lange Zeit ließen, um den Dialog zu suchen.

Das Symposium "Geocaching und Natur" baute sich in einer Darstellung der einzelnen Gruppen und einer Podiumsdiskussion auf.
Für die Seiten der Geocacher trat Arno Kaminski als Vertreter der deutschen Wanderjugend an und erklärte die technischen Möglichkeiten und verschiedenen Spielvarianten unseres Hobbys.
Die Waldbesitzer und Grundstückseigentümer wurden durch Dietrich Graf von Nesselrode vertreten, der auf die Probleme der Waldbauer hinwies.
Der Naturschutz wurde von Heiner Langhoff (NaturFreizeitverbund Niederrhein) vertreten und wies auf die Belange des Naturschutzes und auf die Verantwortung für unsere Kulturlandschaft mit ihren einzigartigen Pflanzen- und Tierarten hin.
Der deutsche Jagdschutzverband wurde von Friedrich von Massow vertreten, der auf die jagdlichen Belange und das Störpotenzial des Geocaching hinwies. Er sprach sich aber dennoch gegen eine Gesetzesverschärfung aus.

Alle Seiten zeigten sich hier sehr aufgeschlossen und überzeugten durch ihr Fachwissen. Lobend erwähnt wurde aber auch, dass sich die Vertreter aus Wald, Natur und Jagd, sich sehr gut auf das Thema Geocaching vorbereitet hatten und sich recht gut in das Denken der Geocacher herein denken konnten.

Nach den Vorträgen wurden in einer kleine Pause bereits die ersten zurückhaltenden Gespräche zwischen Geocachern und den anderen beteiligten Parteien geführt. Auch die folgende offene Diskussion verlief in einer entspannten Form. Auch war man sich einig, dass man das Problem mit einer Gesetzesverschärfung nicht in den Griff bekommen kann und daher auf den Dialog setzen muss. Das die Problematik sich nicht durch die eine Veranstaltung lösen lässt dürfte jeden klar sein. Aber sie war ein erster Schritt, in dem schon einmal erste Kontakte und Adressen getauscht werden konnten.


Jetzt liegt es an allen Interessensgruppen, den richtigen Weg zu finden.

Aber Besonderes wir als Geocacher stehen hier in der Verantwortung, wenn wir unser Hobby weiterhin ausüben wollen.


Hier noch einmal die Hauptanliegen der Interessensgruppen.

Sprecht mit den Grundeigentümern!
Versteckt die Caches naturverträglich!
Kein Suchen und Verstecken abseits der Wege, in Kulturen, Naturverjüngungen oder jagdlich sensiblen Gebieten!
Keine nächtliches Suchen abseits der Wege!
Und wir sollten an die Verantwortung für unsere Kulturlandschaft, mit ihren vielfältigen Pflanzen- und Tierarten, denken!


Wege zum Dialog


Wie gesagt, die ersten Schritte sind bereits getan. Jetzt liegt es an uns den Dialog weiter zuführen. Jeder von uns sollte sich in der Pflicht sehen, diese Punkte zu berücksichtigen.

Ein weiteres Problem was von den anderen Interessensgruppen genannt wird ist die schlechte Erreichbarkeit der Plattformen und Geocacher. Hier versuchen sie Dachverbände als Ansprechpartner zu finden, die es ja bekanntlich noch nicht gibt.
Daher sollten wir Geocacher uns Gedanken machen ob man sich nicht zunächst in örtlichen oder regionalen Vereinen organisiert, wie es in Thüringen und im Emsland bereits gezeigt wird.
Über diese Vereine könnten dann Eigentümer und Jägern mit den Geocachern in Kontakt treten. Wenn die Vereine von den anderen Interessengruppen angenommen würden, könnten sicher auch Dachverbände entstehen, wie es sie bereits in anderen Ländern gibt.
Aber das wäre sicher nur eine Möglichkeit. Zunächst sollten wir im Kleinen beginnen und Kontakte zu den örtlichen Eigentümern und Jägern suchen. Dieser Weg ist sicher nicht so schwer, wie es sich einige Geocacher vorstellen. Denn aus eigenen Gesprächen - bei der Recherche für diese Seite - habe ich selber mit Waldbesitzern und Obmännern des Hegeringes gesprochen. Hierbei erfuhr ich, dass es eigentlich keine oder nur kleinere Probleme (zumindest hier in der Gegend) mit Geocachern gibt...


Für die Annäherung gibt es inzwischen schon einige Beispiele. Sie reichen von Events wie "Auf ein Bier mit dem Jäger". Oder aber auch größere Veranstaltungen, wie das vom Team gecko in Schwerte, das über mehrere Tage ging. Bei dieser Konferenz trafen sich 350 Geocacher, um über naturverträgliches Geocaching zu reden. Des Weiteren gab es hierzu Workshops, Exkursionen und Diskussionsforen.



Auch bei uns im Münsterland hat sich hier etwas getan. Seit dem April 2013 (Beitrag auf Geocaching-MS) gibt es nun auch bei uns im Münsterland ein Projekt von Geocachern, die sich um den Dialog mit Angehörigen aus Forst und Jagd bemühen.

Ein paar Monate nach der Messe "Jagd und Hund" (2013) in Dortmund wand sich ein Geocacher an seinen örtlichen Hegering und das Regionalforstamt, um über die Problematik von fehlenden Ansprechpartnern zu sprechen. Ziel war es, für die 29 Forstbezirke lokale Ansprechpartner zu finden.

Diese Ansprechpartner sollen unser Hobby vertreten und im Dialog vermitteln. Für jeden Bezirk wurde ein lokaler Geocacher gesucht, der dann bei etwaigen Problemen oder Nachfragen als Ansprechpartner, unseres Hobbys, nach außen hin auftritt.

Bis heute haben sich für fast alle Forstbezirke Freiwillige gefunden, die diese Aufgabe übernehmen wollten. Hierzu ist eine Projektseite entstanden. Hier findet man eine Karte mit den Forstbezirken und dem jeweiligen Geocacher, der dieses Gebiet vertritt. Auf der Projektseite finden sich auch die Ziele, welche sich die Gruppe aus freiwilligen Geocachern, gesetzt hat. Dieses Projekt ist ein Versuch, Konflikte zu entschärfen und es soll dazu beitragen, dass wir unser Hobby auch langfristig ausüben können.



Anfang August 2013 bekam ich über Google Alert ein Verweis auf die Niedersächsische Landesforsten.

Hier haben die Landesforsten (Link am Ende der Seite), soweit mir bekannt, als erste Behörde eine Vereinfachung für das Geocaching getroffen. Ferner wurde dafür eine PDF (Linke am Ende der Seite) für Geocacher herausgegeben.

Neben der Nennung der Rechtslage wurden eine ganze Reihe von Empfehlungen zum naturverträglichen Geocaching gegeben (ähnlich der Hinweise auf dieser Seite), wie zum Beispiel Wegegebote, Schutzgebiete, ... Aber auch hier gibt es nützliche Links zum BFN und zu niedersächsischen Gesetzen.

Dass schöne (für uns Geocacher) ist, dass die Niedersächsische Landesforsten es duldet, das Geocaches in den Wäldern der Landesforsten versteckt werden. Als Vorgabe gilt, dass sich die Geocacher an die Empfehlungen und Vorschriften halten und Kontaktdaten im Cache hinterlassen.

Zu beachten ist hier aber, dass diese Freigabe nur für die Wälder des Landes Niedersachsen gilt.
Leider haben sich auch hier die Waldbauern noch nicht zu einer Freigabe entscheiden können. Also bedarf es auch in Niedersachsen der Genehmigung des privaten Waldbauers.



Aber es werden auch CITOs veranstaltet.


Beispiele hierfür sind unter anderem:

In 05/2012, trafen sich 60 Geocacher und Naturschützer in Hattingen um den Schutz von Eidechsen zu fördern. Hierbei wurde zunächst eine größere Fläche von Wildkräutern und Hecken befreit. Anschließend wurden noch einige Kubikmeter Mutterboden abtransportiert. Der Sinn daran lag im Anlegen einer Wildblumenwiese, die einen nährstoffarmen Boden benötigt. Diese Wiese lockt dann natürlich Insekten an, die als Nahrungsgrundlage für Eidechsen dienen ...

In 06/2012 trafen sich etwa 50 Geocacher bei Velbert. Sie machten sich zur Aufgabe das "Alaunloch" zu säubern. Das Alaunloch war früher ein Abbaugebiet für Alaunstein. Nach der Aufgabe der Förderstelle entwickelten sich dort ein Biotop und so ein Lebensraum für viele Vögel und Amphibien. Aber da sich komischerweise gerne Müll in der Landschaft ansammelt, gab es dort einiges an Arbeit. Am Ende wurden dort rund 10 Kubikmeter Müll durch die Geocacher eingesammelt.


Das waren nur ein paar Beispiele wo sich Geocacher versuchen einzubringen.
Aber es ist auch wichtig, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Wie zum Beispiel bei der Messe "Jagd und Hund", wo sich die Geocaching Plattformen (auch Groundspeak) vorstellten um Öffentlichkeitsarbeit bei den Jägern zu betrieben.


Wie ihr seht, ist der Dialog bereits im vollen Gange. Aber der Dialog ist lange noch nicht abgeschlossen und er bedarf einer ständigen Auffrischung und Erweiterung.

Dazu wird es nötig sein, das wir Geocacher, die dieses Hobby ernsthaft berteiben, anfangen uns über die Belange der anderen Gruppen zu informieren. Dafür ist es wichtig, dass man sich auch mit den Hintergründen befasst. Denn nur durch diese Hintergründe kann man sich in die Lage der anderen Gruppen hineindenken und auch verstehen. Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass man zum obersten Naturschützer wird oder das "Grüne Abi" machen soll. Aber man sollte sich zumindest an die wesentlichen Grundsätze halten und andere Geocacher ruhig auf ihre Fehler aufmerksam machen.

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